Schwergewichte auf dem Wasser und die Auswirkungen

Kreuzfahrtschiffe sind beliebt, sie haben aber grosse Auswirkungen auf die Umwelt. Transport and Environment, europäischer Dachverband von über 50 Organisationen für einen nachhaltigen Verkehr, hat den Treibstoffaustoss von Luxuskreuzfahrten in Europa untersucht. Daraus sind hier Auszüge und Fakten zusammengestellt.

Obwohl Kreuzfahrtschiffe nur einen kleinen Teil der weltweiten Schiffsflotte ausmachen, haben sie unverhältnismässig grosse Auswirkungen auf die Luftqualität, die Lebensräume und das Klima. Sie benötigen viel Treibstoff – auch um die Hotels und die Freizeiteinrichtungen an Bord zu betreiben. Zudem fahren Kreuzfahrtschiffe schnell und nahe an der Küste und verbrennen demnach grosse Mengen an Treibstoff in unmittelbarer Nähe zur Küstenbevölkerung.

Schwefelgehalt von Schweröl: 3500 Mal höher als beim Autodiesel

Die meisten Kreuzfahrtschiffe werden mit Schweröl angetrieben, dem schmutzigsten verfügbaren fossilen Brennstoff. Die wenigsten verfügen über Dieselpartikelfilter oder selektive Katalysatoren zur Reinigung der Abgase – Technologien, die auf der Strasse längst Standard sind. Besonders problematisch ist der Schwefelgehalt von Schweröl, der 3500 Mal höher ist als beim Autodiesel und damit sehr viel umweltschädlicher.

Im Jahr 2017 stiessen die Luxusschiffe des weltweit grössten Kreuzfahrtunternehmens «Carnival Corporation & PLC» in den europäischen Meeren zehnmal mehr krankmachende Schwefeloxide aus als alle über 260 Millionen Personenwagen in Europa. Spanien, Italien, Griechenland, Frankreich und Norwegen sind die am stärksten davon betroffenen Länder in Europa.


Copyright: Transport & Environment (T & E)

Für Kreuzfahrtschiffe, die ausserhalb der sogenannten Sulphur Emission Control Area (SECA), aber weniger als 200 Seemeilen vor der Küste fahren, gilt ein strengerer Schwefelstandard. Im Januar 2020 trat die globale Schwefelobergrenze in Kraft und der maximale Schwefelgehalt wird auf 5000 ppm (parts per million) gesenkt, was immer noch 500 Mal mehr ist als der Schwefelgehalt von Autodiesel. Für Kreuzfahrtschiffe, die länger als zwei Stunden am Liegeplatz liegen, gilt bereits ein noch strengerer Standard von 1000 ppm.

Mehr Dreckluft als durch Autos

Ebenfalls verheerend ist der Ausstoss von Schwefeldioxid (SO2): Laut einer T & E-Studie, die sich auf Satellitendaten von Schiffsbewegungen stützt, stossen Kreuzfahrtschiffe, die in Barcelona anlegen, jedes Jahr fünfmal mehr SO2 aus als die 560 000 Autos der Stadt.

Palma de Mallorca (Spanien) sowie Venedig und Civitavecchia in Italien sind am stärksten betroffen, während Southampton in England an fünfter Stelle bei den SO2-Emissionen von Kreuzfahrtschiffen steht. Diese Emissionen bilden Sulfataerosole und Feinstaub. Beides schadet der menschlichen Gesundheit und führt zu saurem Regen und einer Versauerung der Meere.

Die Auswirkungen der Schifffahrt auf die Luftqualität nehmen mit dem Wachstum des Sektors weiter zu: How does shipping harm air quality in Europe?

Statt Flüssiggas eher Landstrom oder Wasserstoff

Neuere Bemühungen, Schiffe mit Flüssiggas zu betreiben, darin sieht der europäische Verkehrsdachverband Transport and Environment (T & E) keine Lösung. Das sei zwar für die Luftqualität besser, doch mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiffe verursachen höhere Treibhausgasemissionen als diejenigen mit herkömmlichen Antrieben, sagte Delphine Gozillon, Spezialistin für Schifffahrt bei T & E, gegenüber der «Sonntagszeitung».

Lösungsansätze gäbe es gemäss den Spezialistinnen und Spezialisten von T & E aber durchaus: Landstrom kann dazu beitragen, die Emissionen im Hafen zu senken, Batterien sind eine Lösung für kürzere Strecken und die Wasserstofftechnologie kann selbst die grössten Kreuzfahrtschiffe antreiben. Die Kreuzfahrtbranche ist offenbar nicht bereit, den Wechsel freiwillig zu vollziehen, also müssen die Regierungen eingreifen und Null-Emissionsstandards vorschreiben.

Weitere Informationen (in englischer Sprache):
www.transportenvironment.org/challenges/ships/cruise-ships

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