Veloselbstverlad: Petition eingereicht

Der kostenpflichtige Veloselbstverlad in Intercityzügen stösst auf breiten Widerstand. Das belegt auch eine Anfang September eingereichte Petition. Für den VCS ist klar: Der Veloselbstverlad mit dem Zug muss unkompliziert sein, sonst droht eine (weitere) Verlagerung auf die Strasse.

Seit dem 21. März 2021 gilt auf allen Intercityzügen der SBB von Freitag bis Sonntag eine Reservationspflicht für den Veloselbstverlad. Als Grund dafür nennen die SBB eine (zu) hohe Nachfrage und entsprechend fehlende Kapazitäten. Für den VCS, Pro Velo und zahlreiche weitere Verbände und Organisationen war dieser Entscheid Anlass, im letzten März eine Petition zu lancieren.

Am 6. September und damit kurz vor Erscheinen dieses Magazin wurde sie mit über 50 000 Unterschriften bei den SBB eingereicht. VCS-Präsident Ruedi Blumer zeigt sich darüber erfreut: «Die grosse Zahl von Unterschriften zeigt sehr deutlich, dass viele Bahnkundinnen und -kunden unzufrieden und enttäuscht sind, dass die SBB die steigende Nachfrage nach Veloplätzen in den Zügen durch die Reservationspflicht abbremsen, obwohl der Veloboom verkehrs- und klimapolitisch erwünscht ist.»

Ja, aber …

Der VCS ist sich bewusst: In gewissen Zügen sind die Veloplätze knapp. Und zusätzliche Kapazitäten lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen schaffen. Eine Reservationspflicht kann kurzfristig Abhilfe schaffen, darf aber nicht langfristige Lösung sein.

Mit letzterem Punkt spricht Schmid einen weiteren Mangel des aktuellen Reservationssystems an: Einmal gebuchte Veloplätze können nicht mehr annulliert werden. In der Folge bleiben immer mal wieder Veloplätze leer – mutmasslich, denn die SBB haben bis zum Redaktionsschluss keine Zahlen zur tatsächlichen Auslastung der Veloplätze in den reservationspflichtigen Zügen kommuniziert.

Keine Verlagerung auf die Strasse!

Wer keinen Platz im gewünschten Zug bekommt, kann auf den Velotransport in einer dafür vorgesehenen Tasche ausweichen. Das ist noch dazu kostenlos. Platz braucht ein Velo allerdings auch in einer Tasche … Der Versand des Velos kann unter Umständen ebenfalls eine Alternative zum Selbstverlad darstellen. Für spontane Tagestouren oder besonders teure und empfindliche Velos bietet er sich allerdings nicht an.

Blumer hält fest: «Das Lösen und Umbuchen von Veloreservationen muss vereinfacht werden. Die SBB als umweltfreundlicher Mobilitätsdienstleister sind gefordert, ihren Teil zur Unterstützung des flächeneffizienten und lärmfreien Velobooms beizutragen. Das geht nur mit gezielten Kapazitätsverbesserungen für Velos und möglichst barrierefreiem Ein- und Auslad.»

Langfristig ist klar und das fordert auch die Petition: Die Reservationspflicht muss wieder abgeschafft werden. Künftig sollen auch die Bedürfnisse der Velofahrenden bei der Planung besser miteinbezogen werden. Oberstes Ziel muss sein, den Velotransport im öffentlichen Verkehr attraktiv zu gestalten – damit es sich nicht (noch) stärker auf die Strasse verlagert.

Von Nelly Jaggi, Redaktorin VCS-Magazin

Medienmitteilung VCS / Pro Velo / Allianz Petition Velo

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