Lichter löschen!

Am 27. März 2021 um 20:30 Uhr ist Earth Hour – die grösste globale Klima- und Umweltschutzaktion weltweit. Die Idee dahinter ist einfach: Einmal im Jahr schalten wir für eine Stunde das Licht aus. Gemeinsam setzen wir so ein globales Zeichen für den Klimaschutz und einen lebendigen Planeten.


Von Camille Marion

In der Schweiz gibt es keine Nacht mehr. Sobald es dunkel wird, beleuchtet künstliches Licht die Schaufenster, Plätze und Gassen unserer Städte. Dass es nie ganz dunkel wird, beeinträchtigt Fauna und Flora und führt zu massiven biologischen Störungen. Betroffen sind auch die Menschen; das von Bildschirmen flimmernde blaue Licht beeinträchtigt die Schlafqualität.

Im öffentlichen Raum nimmt das allgegenwärtige Licht für sich in Anspruch, Nutzen zu stiften. Dank ihm können wir uns besser orientieren und fortbewegen, zudem werden die Ortschaften und ihre Bausubstanz damit in Szene gesetzt. Aus der Umweltperspektive geht es denn auch darum, einen sinnvollen Ausgleich zu finden. Daran arbeitet der Verein Dark Sky Switzerland. Er sensibilisiert die Bevölkerung für die Problematik der Lichtverschmutzung und begleitet Gemeinden und Profis bei der Beleuchtungsplanung.

Totalabschaltung
Ob Strassenlampen morgens um drei Uhr tatsächlich brennen müssen? Man kann davon ausgehen, dass nach Mitternacht wenig benutzte Strassen nicht permanent beleuchtet zu sein brauchen. Eine Totalabschaltung der öffentlichen Beleuchtung ermöglicht beträchtliche Einsparungen – aber nicht nur: «Schon einige Stunden Dunkelheit haben einen signifikanten Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere und den Rhythmus der Natur», erläutert Eliott Guenat von Dark Sky Switzerland.

In der französischen Schweiz noch nicht überzeugt sind die Kantone Waadt und Neuenburg. Sie halten ihre Gemeinden dazu an, die Fussgängerstreifen die ganze Nacht über zu beleuchten. Das Sicherheitsargument wiegt schwerer als allfällige Einsparungen an Energie und Geld.

Angst vor der Dunkelheit
Dabei hängen Sicherheit und Beleuchtung nicht unmittelbar zusammen. «Die Totalabschaltung während der Nacht wurde in mehreren französischen Gemeinden getestet. Es kam weder zu einer höheren Kriminalität noch zu mehr Unfällen», erklärt Guenat. Allerdings müsse man in Betracht ziehen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen wie die Frauen dunkle Orte bei Unsicherheitsgefühl meiden könnten. Deshalb ist die Sensibilisierungsarbeit von Dark Sky zentral.

Um anhand konkreter Beispiele über die Lichtverschmutzung reden und vorgefasste Meinungen dekonstruieren zu können, organisiert Dark Sky Anlässe wie die «Fête de la nuit». Deren Wirkung lässt nicht auf sich warten: Im Anschluss an eine «Fête de la nuit» beschloss die Genfer Agglomerationsgemeinde Vernier, in einigen Wohnquartieren die Nachtausschaltung zu testen.

Beleuchten: wenn und wo nötig
Die Totalabschaltung ist allerdings nicht die einzige Lösung für die Lichtverschmutzung. Zunächst gilt es, die Beleuchtung und ihren Zweck zu hinterfragen. Die Lichtfarbe, die Ausrichtung der Lichtquelle und vor allem deren Intensität sind allesamt Hebel, mit denen sich die Beleuchtungsplanung optimieren lässt.

Fussgängerinnen und Fussgänger brauchen sich keine Sorgen um ihre Sicherheit zu machen, wenn die Fussgängerstreifen nach Mitternacht nicht mehr beleuchtet werden: Die öffentliche Beleuchtung ist oft zu grell, ihr Blenden ist der Sicherheit abträglich. «Für die Sicherheit auf der Strasse und die Sichtbarkeit ist der Kontrast das Entscheidende. Um zu sehen und gesehen zu werden, genügt eine schwache Lichtintensität», sagt Guenat.

 


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