Beim Fussverkehr besteht Verbesserungspotenzial

Das Projekt «GEHsund – Städtevergleich Fussverkehr» hat die Fussgängerfreundlichkeit von 16 Schweizer Städten unter die Lupe genommen. Die Bewertung in drei Teilprojekten zeigt die unterschiedlichen Qualitäten und die Defizite im Fussverkehr deutlich.

«Förderung des Fussverkehrs» – diese Zielformulierung liest man mittlerweile öfter in Strategiepapieren und Konzepten auf den verschiedenen Planungsebenen. Wer aber in den Städten und Dörfern zu Fuss unterwegs ist, spürt noch wenig davon, dass solche Ziele auch umgesetzt werden. Trottoirs sind mit Werbetafeln, Anlieferfahrzeugen oder parkierten Velos und Trottinetten verstellt. Aufenthaltsflächen und Sitzmöglichkeiten sind oft Mangelware. Trottoirs werden häufig als Mischverkehrsflächen zweckentfremdet, die sich der Fussverkehr mit dem zunehmend schneller werdenden Veloverkehr teilen muss. All dies bietet wenig Anreiz zum Zufussgehen in unseren Städten.

Im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln gab es zum Fussverkehr bisher keine Umfragen oder Erhebungen, mit denen sich die Qualität der Fussverkehrsinfrastruktur bewerten liesse. Hier setzt der Städtevergleich Fussverkehr an: Das Projekt «GEHsund – Städtevergleich Fussverkehr» hat die Fussgängersituation der Städte Aarau, Basel, Bellinzona, Bern, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Locarno, Lugano, Luzern, Neuenburg, St. Gallen, Winterthur, Zug und Zürich detailliert untersucht.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Die Fussgängerfreundlichkeit wurde in drei Teilprojekten erhoben. Damit werden verschiedene Blickwinkel beleuchtet. Der Fussverkehrstest als erster Teil fokussiert auf die Infrastruktur, die für den Fussverkehr bereitgestellt wird. Dabei handelt es sich um eine Qualitätsbewertung vor Ort mit festgelegten Kriterien. Das zweite Paket im Städtevergleich umfasst unter dem Titel «Planungspraxis» eine Auswertung darüber, wie in der jeweiligen Stadtverwaltung und in der Stadtpolitik mit dem Thema Fussverkehr umgegangen wird. Im dritten Projektteil wird in Form einer Onlineumfrage die Zufriedenheit der Bevölkerung im Bereich Fussverkehr erhoben.

Diese drei Teile zusammen ermöglichen Aussagen zur allgemeinen Qualität des Fussverkehrs. Über das Gesamtergebnis des «GEHsund – Städtevergleich Fussverkehr» gesehen, wurden im Durchschnitt erst 61 Prozent der Qualitätsanforderungen erfüllt oder, umgekehrt formuliert, rund 40 Prozent eben nicht. Das heisst, alle Städte sind gefordert, ihre Fussverkehrssituation noch zu verbessern.

Der Städtevergleich mit dem Ranking spornt die Städte zudem an, Massnahmen umzusetzen: mehr Platz für den Fussverkehr, mehr Fussgänger- und Begegnungszonen, kürzere Wartezeiten an den Ampeln, getrennte Infrastrukturen für den Fuss- und den Veloverkehr und besser dotierte Fussverkehr-Fachstellen. Diese Handlungsempfehlungen gelten für alle teilnehmenden Städte.

Fünf «Goldene Schuhbürsten»

Fünf Städte erhalten je eine «Goldene Schuhbürste »: Aarau schneidet bei der Bewertung der Infrastruktur am besten ab, Chur bei der Zufriedenheit der Bevölkerung und Basel bei der Planungspraxis. Neuenburg ist die fussgängerfreundlichste Stadt in der Romandie und Bellinzona erreicht im Quervergleich der Tessiner Städte die höchste Punktzahl.

Insgesamt erreicht Basel mit 68 Prozent aller erfüllten Anforderungen den höchsten Wert aller untersuchten Städte und zeichnet sich insbesondere durch die Kommunikation und Beobachtung des Fussverkehrs aus. Die «Goldene Schuhbürste» symbolisiert, dass die Stadt zwar gut abgeschnitten hat, aber weiter an der Fussgängerfreundlichkeit polieren muss, um zu brillieren.

Von Veronika Killer, Projektleiterin Fussverkehr bei umverkehR

Städtevergleich Fussverkehr: Projektträger von «GEHsund – Städtevergleich Fussverkehr» waren umverkehR, Fussverkehr Schweiz und die Hochschule Rapperswil. Das Projekt wurde finanziell von Energie Schweiz (KOMO), der Stiftung Corymbo, der Loterie Romande, vom Lotteriefonds Kanton Bern und vom Kanton Tessin sowie von den 16 beteiligten Städten unterstützt. www.umverkehr.ch/projekte/gehsund

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