Platz für anderes: Wohnen mit wenig Parkplätzen

Autofrei wohnen liegt im Trend. Wohnsiedlungen, die auf unnötige Parkplätze verzichten, gewinnen Platz und sparen Geld. Das zeigen Beispiele in Kriens, Malmö und Köln.

Beispiel Teiggi in Kriens: Wo früher Teigwaren produziert wurden, wohnen und arbeiten heute rund 200 Menschen in zwei umgebauten und drei neuen Gebäuden. Für die 87 Wohnungen und 24 Ateliers werden Mietende ohne Auto bevorzugt Parkplatzbedarf – der Mietvertrag enthält einen Autoverzichtszusatz. Und wer einen Parkplatz in Anspruch nimmt, zahlt dafür einen kostendeckenden Mietzins. Die Siedlung liegt unweit zahlreicher Einkaufsmöglichkeiten und Schulen. In 300 Metern Entfernung halten fünf Buslinien, zudem gibt es ein gutes Veloverkehrsnetz.

Auf dem Areal stehen 30 Bewohnerparkplätze und zehn Besucherparkplätze zur Verfügung. Ein Carsharing-Angebot innerhalb des Areals gibt es nicht, in unmittelbarer Umgebung stehen allerdings drei Autos zur Verfügung. Platz genug gibt es hingegen für Velos: insgesamt 210 Abstellplätze, dazu Steckdosen für E-Bikes. Auch Cargovelos und Anhänger lassen sich problemlos abstellen.

Beispiel Cykelhuset Ohboy in Malmö: Bauen fürs Velo

Das Cykelhuset ist das erste Gebäude in Schweden, das vollständig darauf ausgerichtet ist, ohne Auto zu wohnen. Das schwedische Gesetz sieht normalerweise Parkplätze für jeden Neubau vor. Die Stadt Malmö hat sich jedoch bereit erklärt, von dieser Regel abzuweichen, wenn das Projekt so konzipiert wird, dass man leicht auf das eigene Auto verzichten kann. Entsprechend wurde das Gebäude mit 55 Wohnungen rund um die Velonutzung erbaut.

Der Platz, der mit den eingesparten Autoparkplätzen gewonnen wurde, ist in Veloabstellräume investiert worden. Es wurden Stellplätze für Zweiräder eingerichtet, die auch Cargovelos genügend Platz bieten. Die Lifte sind mit breiteren Türen und Öffnungen auf beiden Seiten versehen, so dass man das Velo auch in die eigene Wohnung mitnehmen kann. Ebenso wurden zu diesem Zweck die Eingangstüren der Wohnungen und die Balkone verbreitert.

Um die Lieferung von Sperrgut ohne motorisiertes Privatfahrzeug zu erleichtern, wurden spezielle und unterschiedlich grosse Briefkästen installiert. Ein Hotel im Erdgeschoss des Gebäudes ermöglicht zudem auch Touristinnen und Touristen an diesem Wohnkonzept teilzuhaben, wird doch jedes Zimmer mit einem Faltvelo vermietet.

Stellwerk 60 in Köln: Teilen statt Besitzen

Stellwerk 60, das erste autofreie Quartier in Köln, liegt ungefähr 2,5 Kilometer nördlich des Stadtzentrums. 400 Wohnungen wurden auf diesem ehemaligen Eisenbahnareal erbaut.

Das Projekt funktioniert rund um das Motto «Teilen statt Besitzen» und fördert die Ausleihe zahlreicher Güter unter den Bewohnerinnen und Bewohnern. Man kann zum Beispiel Veloanhänger, Tandems oder Pumpen ausleihen, aber auch Festbänke oder Kinderspielzeug.

Am Rand des Quartiers gibt es verschiedene Möglichkeiten, ein Fahrzeug im Carsharing zu benutzen. Die Quartierbewohnerinnen und -bewohner – die in ihrem Mietvertrag auf den Besitz eines Autos verzichten – profitieren dabei von Rabatten. Das breite Angebot an Alternativen macht das autofreie Leben nicht nur problemlos möglich, sondern auch sehr angenehm.

Plattform autofreies/autoarmes Wohnen PAWO

Die Beispiele standen im Zentrum des ersten internationalen Online-Webinars, das die Plattform autofreies/autoarmes Wohnen PAWO organisiert hat. Das Webinar wurde aufgezeichnet (auf Englisch) und kann unter diesem Link besucht werden:
wohnbau-mobilitaet.ch/netzwerk-veranstaltungen/veranstaltungen/webinaire-05112020-en/

Video Wohnwerk Teiggi: https://vimeo.com/480201051

Wie das Konzept «autoarm Wohnen» im Grossraum Luzern gelebt und gefördert wird, zeigte ein weiteres Webinar. Referate finden Sie hier:
wohnbau-mobilitaet.ch/netzwerk-veranstaltungen/veranstaltungen/webinar-19112020/

 

 

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