Dorfladen trifft Onlinehandel via Velo

Velohauslieferdienste verbinden das Beste aus zwei Welten: Einkaufen im lokalen Geschäft und nachhaltige Heimlieferung. Die Software viaVelo macht die Koordination per Smartphone möglich. Sie vereinfacht die Velolieferdienste und ersetzt Lieferschein und Telefon.

Mit Blick auf eine nachhaltige Mobilität kommt dem Einkaufen eine Schlüsselrolle zu: 40 Prozent aller Einkaufsfahrten erfolgen mit dem Auto, obwohl drei Viertel aller Einkaufswege kürzer als fünf Kilometer sind. Selbst wenn die Wartezeit auf einen freien Parkplatz beim Shoppingcenter länger dauert als die Fahrt von zu Hause an den Zielort, dominiert heute das Auto im Einkaufsverkehr.

Praktische Dienstleistung

Gefragt sind praktische Dienstleistungen, die das Einkaufen ohne Auto ermöglichen. Mit dieser Überzeugung ging der erste Velohauslieferdienst der Schweiz 1997 in Burgdorf an den Start. Eine Wirkungsanalyse nach den ersten fünf Jahren zeigte, dass bei rund 20 Prozent der Kundinnen und Kunden die Autofahrten zugunsten des Fuss- und Veloverkehrs verlagert worden sind. Profitiert haben auch die Burgdorfer Innenstadt und die Beschäftigten der Sozialprogramme.

Die Ergebnisse überzeugten auch die IG Detailhandel Schweiz, die den Verein Velo-Lieferdienste Schweiz (VLD) 2012 mitgründete. Mittlerweile bestehen Velolieferdienste in 26 Städten und Gemeinden.

viaVelo als zentrale Neuerung

Heute tritt beim Velohauslieferdienst an Stelle von Lieferschein und Telefon die viaVelo-App: Die Kundinnen und Kunden melden mit dem Smartphone ihre Lieferung an, bezahlen mit dem hinterlegten Zahlungsmittel und geben an, ob sie zuhause auch noch Recycling gut zur Abholung haben. Die Betreiberin des Hauslieferdienstes disponiert die Lieferungen mit viaVelo und kommuniziert über die Kurier-App.

Entwickelt wurde viaVelo vom VLD in enger Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern, die Velolieferdienste als Sozialfirmen und kommerzielle Velokuriere betreiben. Auch dank der Förderung durch die Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität (KOMO) des Bundes und den Migros-Genossenschafts-Bund findet viaVelo bereits in Burgdorf, St. Gallen und Wil Anwendung. Als offene Plattform ermöglicht viaVelo Velohauslieferdiensten auch in Zukunft eine tragende Rolle in einer nachhaltigen City-Logistik. Noch sind Velolieferdienste und die via-Velo-App nicht überall verfügbar.

Die von der Corona-Krise geprägten Monate zeigen jedoch, dass Einkaufsgewohnheiten nicht in Stein gemeisselt sind. Sowohl der Onlinehandel als auch das Einkaufen im Dorfladen haben ihre Vorzüge. Velolieferdienste verbinden beide Welten in nachhaltiger Weise.

Von Noëlle Fischer, Geschäftsführerin des VLD Schweiz und Pascal Steinemann, Projektmitarbeiter bei der Büro für Mobilität AG.

Velolieferdienste in der Schweiz
Der Verein Velo-Lieferdienste Schweiz (VLD) unterstützt Initiativen zum Aufbau und Betrieb von Velolieferdiensten, den fachlichen Austausch sowie die technologische Innovation. Die digitale Plattform viaVelo wurde vom VLD und seinen Mitgliedern als Gesamtlösung für Velolieferdienste konzipiert und entwickelt. ViaVelo koordiniert im Cockpit den gesamten Distributionsprozess und kommuniziert in Echtzeit über eine Kunden-App (Android und iOS) sowie eine Kurier-App. Dank Erweiterbarkeit eröffnen sich mit viaVelo auch vielfältige Möglichkeiten im Rahmen von Smart-City-Strategien. Weitere Informationen: www.viavelo.ch; www.velolieferdienste.ch.

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