Der Verkehr und die Konzernverantwortung

Rohöl, Kobalt und Kautschuk: Wer genau hinschaut, findet zahlreiche Zusammenhänge zwischen den Forderungen der Konzern-Initiative und dem Verkehr. Am 29. November kommt die Initiative vors Volk.

Kinderarbeit, Luft- und Trinkwasserverschmutzung oder Vergiftung der Böden: Verstossen Konzerne mit Sitz in der Schweiz im Ausland gegen Menschenrechte, sollen dafür geradestehen. Das verlangt die Konzernverantwortungsinitiative. Weil die Justiz in den betroffenen Ländern oftmals schwach und häufig auch bestechlich ist, sollen Geschädigte vor einem Schweizer Gericht auf Schadenersatz klagen können.

Das hat mehr mit dem Verkehr zu tun, als man im ersten Moment denkt. Bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass der Handelsnation Schweiz auch im Zusammenhang mit dem Verkehr weltweit eine Schlüsselrolle zukommt.

Das Rohöl und die Umwelt

Benzin und Diesel sind nicht nur massive Treiber des Klimawandels, sondern häufig schon für Umweltschäden verantwortlich, bevor sie überhaupt in die Tanks der Autos gelangen. Einigen sitzt der Schrecken über die Explosion der Ölbohrplattform «Deepwater Horizon» vor zehn Jahren noch in den Knochen. Die darauffolgende Ölpest im Golf von Mexiko war die bisher schwerste Umweltkatastrophe dieser Art.

In vorliegenden Fall wurden sowohl das Mineralölunternehmen BP als auch der Plattformbetreiber Transocean, ein Grosskonzern mit Hauptsitz in der Schweiz, zur Rechenschaft gezogen. Aufgrund schwerer Versäumnisse hat sie ein US-amerikanisches Gericht zur höchsten je verhängten Strafzahlung für ein Umweltdelikt verurteilt. Hätte sich die Katastrophe aber nicht vor der Küste Nordamerikas, sondern beispielsweise im Indischen Ozean zugetragen, ist es sehr gut möglich, dass es zu keiner Schadenersatzzahlung gekommen wäre.

Die Batterie und die Menschenrechte

Einen kritischen Blick braucht es auch auf die Elektromobilität. So sehr diese zum Klimaschutz beitragen kann, so hat sie doch auch eine Schattenseite: Für die Herstellung der Batterien werden Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Nickel in grossen Mengen benötigt. Beim Abbau sind Menschenrechtsverletzungen und gravierende Umweltschäden an der Tagesordnung – das hat auch eine kürzlich veröffentlichte Studie des VCS und der Entwicklungsorganisationen «Brot für alle» und «Fastenopfer» gezeigt.

Die Verstösse reichen vom Einsatz von Kinderarbeit und hochgefährlichen Arbeitsbedingungen über Umsiedlungen oder gar Vertreibungen bis hin zu Wasserverschmutzungen oder grossflächiger Zerstörung landwirtschaftlicher Anbauflächen. Schweizer Grosskonzerne wie Glencore oder Trafigura spielen beim Abbau und Handel von Batterierohstoffen eine zentrale Rolle.

Und natürlich der Kautschuk

Ohne Kautschuk für die Reifen kommen Auto, Bus oder Velo nicht aus. Die Umweltbelastung ist in den Anbauländern allerdings enorm, denn der Monokulturanbau geht fast immer mit grossflächiger Waldrodung und Pestizidbelastung einher. (Lesen Sie dazu den Forum-Beitrag Autoreifen statt Urwald). Auch hier sind Schweizer Firmen an Anbau und Handel beteiligt.

All diese Beispiele zeigen: Während korrupte Eliten vom Rohstoffabbau profitieren und Grosskonzerne wie Glencore Jahr für Jahr Milliardengewinne verzeichnen, zahlen die lokale Bevölkerung und die Natur den wahren Preis für die Rohstoffe, die unabdingbar sind für unsere Mobilität.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Als weltweit bedeutendster Handelsplatz für Rohstoffe kann die Schweiz viel bewirken! Für den VCS ist klar, dass Mobilität nicht nur klimafreundlich, sondern auch sozial- und umweltverträglich sein muss. Deshalb braucht es am 29. November ein Ja zur Konzernverantwortungsinitiative.

Von Anita Weber, Projektleiterin Marketing beim VCS Schweiz. Sie engagiert sich freiwillig für die Konzernverantwortungsinitiative.

 

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