Der Kälte und Nässe trotzen mit dem Velo

Velofahren boomt – und ist auch bei Kälte und Nässe im Herbst und Winter gesund und empfehlenswert. Mit dem richtigen Verhalten und der passenden, reflektierenden Ausrüstung kann es sogar Spass machen.

Schwierige Strassenverhältnisse, Kälte und Dunkelheit machen das Velofahren im Winter bisweilen zu einer Herausforderung, sind aber selten ein Grund, darauf zu verzichten. «Wer auch in der kalten Jahreszeit sicher unterwegs sein will, sollte einige Tipps rund um Verhalten und Ausrüstung beachten», sagt Christine Steinmann, Expertin für Verkehrssicherheit und Velofahren beim VCS Verkehrs-Club der Schweiz und selbst begeisterte Velofahrerin. Allem voran gilt: Die Fahrweise ist den Verhältnissen anzupassen – und entsprechend mehr Zeit einzuberechnen.

«Um die Null-Grad-Grenze herum sind die Strassenverhältnisse oft besonders schwierig. Die Strassenoberfläche ist uneinheitlich, gewisse Stellen sind trocken, andere seifig-schmierig oder gefroren», erklärt Steinmann. Ausrutschen gehört zu den häufigsten Ursachen für Stürze. Steinmann empfiehlt daher, gerade in Kurven langsam zu fahren und weder zu bremsen noch zu pedalen. E-Bike-Fahrerinnen und E-Bike-Fahrer sollten eine Unterstützungsstufe weniger als gewohnt wählen. Schöner Nebeneffekt dabei: Die im Winter geringere Reichweite des Akkus erhöht sich dadurch.

Das Velo braucht Pflege

Der Bremsweg verlängert sich je nach Verhältnissen – für Velo- wie für Autofahrende! – beträchtlich. Spezielle Winterreifen – oder für geübte Fahrerinnen und Fahrer bei schnee- oder eisbedeckter Oberfläche auch Spikes – sorgen für eine besserer Haftung und erhöhen damit die Sicherheit. Ein geringerer Reifendruck sorgt zudem für mehr Auflagefläche. Überhaupt: Die Velopflege sollte gerade im Winter hochgehalten werden. Das beginnt mit einem sorgfältigen Check zu Beginn – am besten durch eine Fachperson – und regelmässigem Reinigen und Fetten, etwa um Korrosion durch Streusalz zu verhindern.

Dämmerung und Dunkelheit

Im Winter ist man häufig bei Dämmerung und Dunkelheit unterwegs – das Unfallrisiko ist bis zu drei Mal so hoch wie tagsüber – bei Regen, Schnee oder Gegenlicht gar zehnmal so hoch. Ein funktionierendes Licht vorne wie hinten ist das A und O. Weil Anstecklichter gerne vergessen gehen und herkömmliche Dynamos bei Kälte und Nässe bisweilen den Dienst versagen, ist ein Nabendynamo erste Wahl.

Reflektoren am Velo, zum Beispiel an den Speichen, aber auch der Kleidung erhöhen die Sichtbarkeit markant – und senken das Unfallrisiko um bis zur Hälfte. Zusätzliche Accessoires sind nicht zwingend: Wählt man Handschuhe mit Reflektoren, sind Handzeichen auch im Dunkeln sichtbar. «Ausgerüstet mit einer Taschenlampe, kann man die Wirkung von Reflektoren zu zweit an einem dunklen Ort sehr eindrücklich erleben», sagt Steinmann.

Natürlich sind die Autofahrenden in der Pflicht, trotzdem empfiehlt Steinmann, dass man sich auch in die Lage der anderen Verkehrsteilnehmenden hinein versetzt.

Gibt es Situationen, in denen man das Velo lieber zu Hause lässt? «Natürlich. Neuschnee ist nicht so problematisch – prekär wird es, wenn es taut und wieder gefriert. Dann geht man besser zu Fuss oder weicht auf den ÖV aus», sagt Expertin Steinmann. Vorsicht gilt auch bei Brücken: Weil sie nachts stärker abkühlen als die übrigen Strassen, ist die Gefahr von Glätte besonders gross.

Text: Nelly Jaggi

Damit der Weg zur Arbeit auch im Winter mühelos und sicher ist – ob mit einem herkömmlichen Velo oder einem E-Bike:

  • Velo winterfit machen: Kontrolle von Licht, Bremsen, Lager und Schaltung.
  • Ein funktionierendes Vorder- und Rücklicht ist das A und O, ideal ist ein Nabendynamo; Reflektoren an Velo (z.B. an Speichen) und Fahrerin/Fahrer (z.B. an Jacke, Handschuhen, Helm) und helle Kleidung erhöhen die Sichtbarkeit.
  • Vorsichtig in die Pedale treten bei Glatteins und Schnee, Winterreifen mit speziellem Profil und weicher Gummimischung geben mehr Halt auf der Fahrbahn.
  • Wer unter dem Helm eine Mütze trägt, muss darauf achten, dass er trotzdem gut sitzt: Zwei Fingerbreit über Nasenwurzel; Seitenbänder gleichmässig satt – der Helm darf nicht wackeln. Im Fachhandel sind spezielle Helmmützen oder -stirnbänder erhältlich.

Zu Fuss, mit dem Velo, im Auto: Wintertipps VCS Verkehrssicherheit

Eine Antwort auf „Der Kälte und Nässe trotzen mit dem Velo“

  1. Ganz wichtige Ergänzung, die auch von der Polizei kommuniziert werden sollte:

    In Schwärmen – schon zu zweit aufschliessen – fährt sich sicherer. Bei Baustellen oder Engpässen mittig fahren.

    Wünsche allen eine sichere und veloaffine Zeit.

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