Für mehr Landschaft und weniger Strassen

Es ist vollbracht: Natur- und Umweltverbände haben eine Doppelinitiative eingereicht. Die eine, die Landschaftsinitiative, will den Bauboom ausserhalb der Bauzonen stoppen – und so die Zersiedelung der Landschaft durch Strasseninfrastruktur verhindern.

Ausserhalb der Bauzonen wird – trotz der bestehenden Gesetzgebung – munter weitergebaut. Als Folge davon nimmt der Verkehr zu und es werden neue Verkehrsinfrastrukturen geschaffen. Die Landschaftsinitiative will dies ändern. Sie will der rasanten Bautätigkeit ausserhalb der Bauzonen mit klaren und strengen Richtlinien in der Bundesverfassung ein Ende setzen.

Die Landschaftsinitiative fordert von Bund und Kantonen, dass die Anzahl Gebäude respektive die dadurch beanspruchte Fläche in den Nichtbauzonen nicht zunehmen. Gleichzeitig sollen die Bedürfnisse der Landwirtschaft berücksichtigt werden. Der Trägerverein «Ja zu mehr Natur, Landschaft und Baukultur» hat die Initiative Ende März 2019 lanciert und nun am 8. September eingereicht.

Noch eine Abstimmung zur Zersiedelung der Landschaft, denken Sie jetzt möglicherweise. Sind die geltenden Gesetze nicht gut genug, um die Schweizer Landschaft zu schützen? Theoretisch schon, die klare Trennung zwischen Bauland und Nichtbauland ist eines der grundlegenden Prinzipien der Raumplanung in der Schweiz. Doch in den letzten Jahrzehnten hat das Parlament dieses System konstant geschwächt, indem es viele Ausnahmen für Bauten – Gebäude wie Verkehrsinfrastrukturen – ausserhalb der Bauzonen machte.

Zersiedelung verursacht Verkehr

Entsprechend hat die Zersiedelung ausserhalb der Bauzonen stark zugenommen. Gemäss Bundesamt für Raumplanung (ARE) sind die überbauten Flächen ausserhalb der Bauzonen zwischen 1985 und 2009 um 186 Quadratkilometer gewachsen. Das ist mehr als die Gesamtfläche von Basel, Bern, Genf und Zürich! Im gleichen Zeitraum haben die Gebäude- und die Strassenflächen in- und ausserhalb der Bauzonen prozentual gleichermassen zugenommen – um 32 Prozent bei den Gebäuden und um 15 Prozent bei den Verkehrsinfrastrukturen.

Diese neuen Verkehrsinfrastrukturen hängen direkt mit der Zersiedlung zusammen und sind an der Zubetonierung der Nichtbauzonen mitbeteiligt. Die ersten Opfer davon sind die Wildtiere. Jede zusätzliche Strasse zerschneidet und schädigt die Landschaft und damit auch die Biotope und die Faunakorridore, auf denen die Wildtiere unterwegs sind.

Immer mehr Strassen

Zudem hat die Zersiedelung einen direkten Einfluss auf unsere Mobilität. Je mehr Gebiete überbaut sind, umso mehr Strassen werden benötigt, um diese zu erschliessen. Umgekehrt fördern die neuen Strassen auch die Ausdehnung der Wohngebiete; die täglichen Distanzen, die Abhängigkeit vom Auto und der Bedarf an neuen Strasseninfrastrukturen nehmen weiter zu.

Es braucht dringende Massnahmen, um die Natur und die Schweizer Landschaft zu schützen. Ein Stopp der Zersiedelung ausserhalb der Bauzonen ist von zentraler Bedeutung, um die negativen Auswirkungen der Strasseninfrastrukturen auf Natur und Tierwelt zu reduzieren sowie die Entwicklung einer umweltschonenden Mobilität zu fördern.

Weitere Infos hier: www.landschaftsinitiative.ch  und www.biodiversitaetsinitiative.ch 

Yves Chatton, zuständig für Kampagnen beim VCS

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