Zu Fuss zur Schule Sicherheit gewinnen

Bald beginnen Schule und Kindergarten. Der Schulweg ist für Kinder eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Selbständigkeit. Weshalb Kinder zu Fuss zur Schule oder in den Kindergarten gehen sollten, erklärt VCS-Schulwegexpertin Katja Marthaler.

Welche Rolle spielt der Schulweg für die Entwicklung eines Kindes?

Der Weg zu Fuss in den Kindergarten oder zur Schule ist ein wichtiger Lern- und Erlebnisort. Durch das regelmässige Zurücklegen des Wegs eignen sich die Kinder die erforderlichen Verkehrskompetenzen an und werden selbständiger. Sie schliessen Freundschaften und bewegen sich regelmässig – zuerst an der Hand der Eltern, später zusammen mit anderen Kindern. Wichtig ist, dass die Kinder bereits in jungen Jahren die Möglichkeit erhalten, sich genügend Verkehrskompetenzen anzueignen – zuerst zu Fuss und später mit dem Velo.

Wann ist ein Kind dazu bereit, den Schulweg alleine zu absolvieren?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Nebst Art und Länge des Schulwegs, spielen auch das Alter und der Entwicklungsstand des Kindes eine entscheidende Rolle.

Ich empfehle Eltern, den Schulweg bereits vor dem ersten Schultag mit dem Kind mehrmals zu üben. Dabei soll nicht der kürzeste, sondern der sicherste Weg ausgewählt werden. Schwierige Situationen sollen vor Ort angeschaut und besprochen werden. Das Kind muss das korrekte Verhalten nicht nur kennen, sondern auch verstehen. Es soll so lange begleitet werden, bis sich die Eltern sicher sind, dass ihr Kind das Geübte umsetzen kann.

Der Schulweg kann ein Ort der Freiheit sein. Ohne Beisein von Lehrpersonen und Eltern können die Kinder unter sich den Weg erkunden und Neues entdecken. Trotzdem empfiehlt es sich, sobald das Kind alleine oder mit anderen Kindern unterwegs ist, das Verhalten auf dem Schulweg regelmässig zu überprüfen und allenfalls zu korrigieren.

Was empfehlen Sie, wenn Kinder einen langen Schulweg haben – etwa in ländlichen Regionen – und nicht zu Fuss gehen können?

Es gibt natürlich Fälle, in denen ein Schulweg zu Fuss aufgrund der langen Distanz schlicht nicht möglich respektive nicht zumutbar ist. Wird der Schulweg als unzumutbar eingestuft, sind die kommunalen Schulbehörden verpflichtet, eine Lösung anzubieten, beispielsweise indem sie einen Schulbus organisieren.

Ältere Kinder können, wenn es von der Schule her erlaubt und von der Länge her zumutbar ist, auch mit dem Velo fahren. Oder sie kombinieren Fussweg und öffentliche Verkehrsmittel.

Was sollen Eltern nach den Sommerferien beachten?

Das lässt sich nicht ganz vergleichen. Nach den Sommerferien werden viele Kinder eingeschult oder wechseln in ein anderes Schulhaus. In beiden Fällen ergeben sich neue, unbekannte Schulwege, die im Voraus geübt werden sollten. Anders gestaltete sich die Situation nach der Zwangspause: Die Kinder hatten den Schulweg davor bereits regelmässig zurückgelegt. Es ist jedoch wichtig, dass ihn die Eltern zusammen mit den Kindern auffrischen.

Manche Eltern finden es einfacher, die Kinder auf dem Arbeitsweg mit dem Auto vor der Schule abzuliefern. Was spricht gegen solche Bring- und Holfahrten mit dem Auto?

Man hindert die eigenen Kinder nicht nur daran, sich die nötigen Verkehrskompetenzen anzueignen, sondern verbaut ihnen ein Stück Freiheit und Selbständigkeit. Sie werden von gemeinsamen Erlebnissen mit anderen Kindern ausgegrenzt und es schränkt ihre Bewegungsmöglichkeiten ein.

Zudem gefährden Elterntaxis diejenigen Kinder, die zu Fuss unterwegs sind: durch gefährliche Fahr- und Wendemanöver rund um die Schulhäuser.

Wieso werden trotzdem viele Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht?

Die Gründe für Hol- und Bringfahrten sind vielfältig. Häufig werden beispielsweise das Wetter, das Zeitmanagement, das Alter des Kindes oder die Länge des Schulwegs genannt. Es gibt Gemeinden, in denen die Bring- und Holfahrten kaum feststellbar sind und andernorts führt die hohe Anzahl an Elterntaxis zu grossen Problemen und gefährliche Situationen für die Kinder auf dem Schulweg.

Apropos gefährliche Situationen: Der VCS setzt sich für sichere Schulwege ein und prüft im Rahmen der Mobilitätskonzepte Schule geeignete Schulwege und empfiehlt den Gemeinden Massnahmen. Unsere Angebote dienen dazu, die Schulwegsicherheit zu erhöhen: Wir wollen, dass kein Kind auf dem Schulweg verunfallt.

In der Romandie und im Tessin ist der Pedibus beliebt. Wie muss man sich diesen Schulbus auf Füssen vorstellen?

Der Pedibus unterstützt Eltern bei der Organisation des Schulwegs. Eine Gruppe Kinder legt den Schulweg gemeinsam mit einer erwachsenen Person zurück. Die Begleitpersonen wechseln sich untereinander ab. Die Eltern müssen also ihr Kind nicht täglich zur Schule begleiten, wissen es aber stets in sicheren Händen. Beim Pedibus gibt es, wie bei einer richtigen Buslinie, Haltestellen und einen Fahrplan. Die Eltern organisieren sich untereinander und der VCS steht ihnen mit regionalen Koordinatorinnen und Koordinatoren mit Rat und Material zur Seite. Das Projekt wurde vor 20 Jahren in der Westschweiz lanciert, gewinnt jedoch in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit im Tessin und in der Deutschschweiz.

Interview von Nelly Jaggi, VCS

Schulweg-Tipps
Damit der Weg zu Fuss zur Schule sicher wird, hat der VCS wichtige Tipps zusammengestellt. Er empfiehlt den Eltern, ihre Kinder auf schwierige Stellen aufmerksam zu machen und diese zusammen zu besprechen. Dabei geht die Sicherheit vor: Nicht den kürzesten, sondern den sichersten Weg wählen. Zudem ist es wichtig, genügend Zeit für den Schulweg einzurechnen, damit das Kind nicht hetzen muss. Helle oder kontrastreiche Kleidung und reflektierende Materialien machen die Kinder für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar.
Mehr Information finden Sie auf der Webseite Schulwege.

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