Umweltfreundlichkeit von Hauslieferdiensten unter der Lupe

Die Ökobilanz von Hauslieferdiensten kann nicht pauschal beurteilt werden. Für die Umwelt macht es einen grossen Unterschied, ob der Kopfsalat mit dem Lieferwagen oder der Fernseher mit dem Lastenvelo bis vor die Haustüre gebracht wird. Ein Leitfaden zur Orientierung.

Wir alle sollten in den letzten Wochen möglichst zu Hause bleiben. Deshalb und weil viele Geschäft geschlossen waren, blieb oft als einzige Möglichkeit, Produkte online zu bestellen. Wer zum Beispiel den Balkon frisch bepflanzen wollte, musste sich die Pflanzensetzlinge nach Hause liefern lassen.

Beim Empfang des Pakets vor der Haustüre stellte sich die Frage: Ist dieses Einkaufsverhalten eigentlich gut oder schlecht für die Umwelt? Leider gibt es darauf kein einfaches Ja oder Nein. Die Wahrheit ist: Es kommt darauf an – und zwar hauptsächlich auf fünf Faktoren:

Wie kaufen Sie sonst ein?

Wie hätten Sie die Setzlinge unter normalen Umständen gekauft? Per Velo, ÖV oder zu Fuss? Dann ist die Antwort sehr einfach: Dagegen ist der Heimlieferdienst schlechter für die Umwelt. (Ausser er liefert per Velokurier aus, aber mehr dazu später). Falls Sie aber mit dem Auto eingekauft hätten, dann ist es gut möglich, dass der Heimlieferdienst besser abschneidet. Denn anstatt dass alle mit dem Auto selber zum Setzlingsmarkt fahren, kann ein Lieferwagen gleich ein ganzes Quartier beliefern. Das ist effizienter, aber nicht in jedem Fall.

Wo wohnen Sie?

Ein einziger Lieferwagen kann das ganze Quartier beliefern? Das funktioniert nur in dicht besiedelten Gebieten. Falls Sie auf dem Land leben, geht dieser Effizienzgewinn wieder verloren.

Was haben Sie bestellt?

Es ist umweltfreundlicher, sich einen Fernseher nach Hause zu bestellen, anstatt einen Kopfsalat. Scheint nicht einleuchtend? Stellen Sie sich vor: Wenn Sie in ein Elektronikgeschäft gehen, kaufen Sie selten gleich mehrere Fernseher und zwei Staubsauger. Das ergibt eine Einkaufsfahrt für einen Artikel. Bündelt das Geschäft die Bestellungen und liefert sie in einer Fahrt aus, schont das folglich die Umwelt. Wenn Sie hingegen Lebensmittel einkaufen, landet kaum nur einen Kopfsalat im Einkaufskorb. Das wäre ineffizent.

Grundsätzlich gilt: Eine Bündelung der Einkäufe ist immer umweltschonender. Das heisst, wenn man schon zum Einkaufen fährt, dann erledigt man dabei am besten gleich den ganzen Wocheneinkauf, anstatt mehrmals zu fahren.

Wie schnell soll es gehen?

Eine Bündelung der bestellten Waren ist einfacher, wenn ein Geschäft mehrere Bestellungen sammeln und gleichzeitig ausliefern kann. Das ist bei Expresslieferungen oder Zustellungen am selben Tag quasi nicht möglich.

Mit welchem Fahrzeug wird geliefert?

Eine wichtige Rolle spielt natürlich das Zustellfahrzeug: Wird per (E-)Cargo-Velo oder Elektrolieferwagen ausgeliefert, ist das viel umweltfreundlicher als mit einem dieselbetriebenen Lieferwagen.

Das Fazit

Heimlieferdienste können nicht pauschal als umweltfreundlich oder umweltschädlich eingestuft werden. Die beste Lösung ist und bleibt der Transport per Velo, zu Fuss oder mit dem ÖV. Geht das nicht, muss die Situation von Fall zu Fall beurteilt werden.

Von Laura Schmid, ÖV-Spezialistin beim VCS Schweiz und stolze Besitzerin eines Cargo-Anhängers für ihr Velo. Damit kann sie auch grosse Einkäufe CO2-neutral erledigen.

Die Handgelenk-mal-Pi-Regel:

  • Einkaufen möglichst per Velo, mit dem ÖV oder zu Fuss
  • Bündelung ist immer besser: Möglichst viele Einkäufe mit einer einzigen Fahrt erledigen
  • Bei Zustellungen auf Expresslieferung verzichten
  • Anbieter mit umweltfreundlichen Zustellfahrzeugen bevorzugen

Eine Antwort auf „Umweltfreundlichkeit von Hauslieferdiensten unter der Lupe“

  1. Wichtiger Aspekt: Die Anlieferung auf urbandem Raum geschieht per LKW geschieht hälftig auf Trottoir / Velospur. Verunmöglicht wird mit der Praxis auch das Begrünen durch Pflanzenrabatten oder Bäume (Verbesserung des Mikroklimas).

    Es ist ein schweizweites Problem und ein politisches Thema. Der Städteverband bemüht sich um Schadensbegrenzung. Städteverband und Exponenten der FDP fordern darum vom Bundesrat, dass staatliche Flächen und Strukturen zur Verfügung gestellt werden für eine nachhaltige Spedition. Siehe Postulat NR Kurt Flury SO:

    https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203709

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