Klimaschutz und Flugverkehr: Den Kopf in den Wolken

Der Nationalrat behandelt im Rahmen der Revision der CO2-Gesetzgebung die Einführung einer Lenkungsabgabe auf Flugtickets. Der Flugverkehr ist in der Schweiz bereits für über 20 Prozent des Klimaeffekts verantwortlich. Das muss ändern.

In der Schweiz sind wir stolz darauf, weltweit einen Spitzenplatz im Recycling zu belegen und über eines der besten öffentlichen Verkehrsnetze zu verfügen. Und doch sind wir weit davon entfernt, Vorbild zu sein, wenn es um die CO2-Emissionen pro Person geht, im Durchschnitt 14 Tonnen CO2-Äquivalent.

Unsere Fluggewohnheiten tragen erheblich zu unseren Klimaauswirkungen bei, denn wir fliegen mehr als doppelt so oft wie unsere Nachbarn. Nicht weniger alarmierend ist die Prognose einer globalen Erwärmung um 3 bis 4 Grad bis 2100, wenn es uns nicht gelingt, den Trend umzukehren.

Dazu müsste die Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden. Angesichts der Wachstumsperspektiven des Luftverkehrs – 8,2 Milliarden Passagiere pro Jahr bis 2037 gegenüber 4,1 Milliarden im Jahr 2018! – ist dies eine unmögliche Aufgabe. Der Rückgang infolge der Coronavirus-Pandemie ist nur vorübergehend.

Kein Auto zu haben oder weniger/kein Fleisch zu essen, sind gute Gesten, aber sie lösen sich mit einem Flug in Rauch auf. So hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bei den Umwelt-Fussabdrücke der Schweiz berechnet, dass die Menge, die jeder Mensch pro Jahr ausstossen könnte, um eine Chance zu haben, die Erwärmung unter 2 Grad zu halten, 600 kg Kohlenstoffäquivalent beträgt. Dieses „jährliche Kohlenstoffbudget“ entspricht einem Hin- und Rückflug von Zürich nach Madrid. Eine Flugreise reicht also aus, um alle anderen Bemühungen zunichte zu machen.

Zwar sind Anstrengungen auf politischer Ebene, z.B. durch die Förderung des internationalen Bahnverkehrs oder die Förderung des lokalen Tourismus, oder auf wirtschaftlicher Ebene z.B. durch technologische Verbesserungen, unerlässlich, doch reicht dies nicht aus, und wir müssen uns darauf einigen, unsere Mobilitätsgewohnheiten zu ändern, wenn wir eine Chance haben wollen, die Klimakrise zu meistern.

Wir müssen nicht weit reisen, um gut zu reisen. Bevorzugen wir die Nähe und geben wir uns die Mittel, diese Nähe mit nachhaltigen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Yves Chatton, Geschäftsführer KLUG Koalition Luftverkehr Umwelt und Gesundheit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.