Das Velofahren muss attraktiver werden

Damit Velofahren attraktiv und sicher für alle wird, fordert der VCS eine Velo-Offensive. Drei konkrete Beispiele zeigen, dass es bei allen Massnahmen und Anpassungen eine Abwägung der Interessen braucht. Damit Veloförderung nicht auf Kosten der schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer geht.

Um Velofahren für alle sicher und attraktiv zu machen, braucht es betriebliche Anpassungen, Infrastrukturmassnahmen und Informationskampagnen. Wichtig ist, dass sämtlichen Änderungen eine sorgfältige Abwägung der Interessen vorausgeht, insbesondere derjenigen der schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, die zu Fuss unterwegs sind, so Kinder und Ältere.

Betriebliche Massnahmen

Gut illustriert das die Regelung, die Basel seit einigen Jahren testet: Velofahrerinnen und Velofahrern dürfen bei Rot nach rechts abbiegen. Die einfache Betriebsmassnahme macht eine Veloverbindung attraktiver. Selbstverständlich lassen die Velos beim Abbiegen den Fussgängerinnen und Fussgängern den Vortritt.

Das Beispiel einer Rampe aus dem Kanton Solothurn zeigt, dass es nicht immer eine Lösung gibt, die allen Interessen gerecht wird. Eine Rampe zwischen Strasse und Trottoir ist eine simple Infrastrukturmassnahme und erleichtert den Wechsel von der Strasse aufs Trottoir.

Holperige Kante

Beim Solothurner Beispiel war diese Rampe ein wenige Zentimeter hoher Absatz. Er zwang Velofahrerinnen und Velofahrer, stark abzubremsen und ihn in einem steilen Winkel anzufahren, um nicht zu stürzen. Die Situation rief die VCS-Sektion Solothurn auf den Plan: Nach zahlreichen Rückmeldungen von Mitgliedern äusserte sie beim kantonalen Tiefbauamt ihre Bedenken zu dieser holperigen Kante. Während die Medien den Übergang als Killerkante kolportierten, fanden Gespräche und Begehungen statt, um eine Lösung zu finden.

Denn während sich für Velofahrerinnen und Velofahrer, aber auch für Menschen, die im Rollstuhl oder mit einem Elektromobil unterwegs sind, ein nahtloser Übergang am angenehmsten und sichersten überfährt, sind stark sehbehinderte Menschen darauf angewiesen, den Absatz ertasten und die Situation identifizieren zu können. Die Geschichte zeigt, dass es für eine Lösung stets einen Dialog und eine sorgfältige Abwägung der verschiedenen Interessen braucht.

Velofahrende Kinder aufs Trottoir?

Nicht jede Regel, die Velofahrerinnen und Velofahrer privilegiert, ist überhaupt sinnvoll. Der Bundesrat berät zurzeit darüber, ob Kinder bis zwölf Jahre mit dem Velo auf dem Trottoir fahren dürfen. Was im ersten Moment zusätzliche Sicherheit für die Kinder suggeriert, ist bei genauem Hinschauen kontraproduktiv.

Das Trottoir kann für velofahrende Kinder schnell zur tödlichen Gefahrwerden: Wer mit dem Auto aus einer Garage fährt, rechnet nicht mit schnellem Verkehr auf dem Trottoir – oder sieht das Kind aufgrund der Verhältnisse zu spät. Zudem sorgt die Öffnung des Trottoirs für Konfliktpotenzial: Bereits heute fürchten ältere Menschen, Menschen mit Sehbehinderung, aber auch kleinere Kinder Velos auf dem Trottoir.

Der VCS spricht sich daher für eine restriktivere Öffnung des Trottoirs für Velos aus: für Kinder bis acht Jahre. Wirksamer ist, Kindern ausreichend Gelegenheiten und geeignete Plätze zum Üben zu geben und umfassend zu sensibilisieren, damit sie mit Hilfe ihrer Eltern das richtige Verhalten lernen.

Fahren Kinder länger auf dem Trottoir, ändert sich am Kernproblem – nämlich der mangelhaften Veloinfrastruktur – letztlich nichts: Es braucht eine Velo-Offensive, damit Kinder und Jugendliche auf dem Velo sicher unterwegs sein können.

Beitrag von Stéphanie Penher, Bereichsleiterin Verkehrspolitik und Kommunikation beim VCS Schweiz und oft mit ihrem achtjährigen Sohn per Velo unterwegs.

Weitere Beiträge sind im Dossier «Ein Velowegnetz für die Schweiz»

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