Der ungleiche Preiskampf

Während die Automobilität immer günstiger wird, belasten Preiserhöhungen das Portemonnaie der ÖV-Nutzerinnen und -Nutzer. Eine ökologische Verkehrspolitik sieht anders aus.

Die Mobilität in der Schweiz gerät zunehmend in Schieflage. Während sich die Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr in den letzten zehn Jahren auf rund 30 Prozent aufsummierten, sind im selben Zeitraum die Kosten fürs Autofahren um 20 Prozent gesunken. Diese Entwicklung könnte sich über kurz oder lang in der Nachfrage spiegeln, warnt Caroline Beglinger, Co-Geschäftsleiterin des VCS. «Zu hohe Preise treiben Pendlerinnen und Pendler zurück ins Auto.» Künftig kostet ein Generalabonnement in der 2. Klasse fast 4000 Franken, eines in der 1. Klasse mehr als 6000 Franken. Wer ohne Halbtaxabo von Bern nach Zürich reist, zahlt für einen Weg bereits heute 50 Franken. «Damit haben die Preise im öffentlichen Verkehr einen Plafond erreicht, der nicht überschritten werden darf», so Caroline Beglinger. «Ansonsten könnte das effiziente Gesamtverkehrssystem der Schweiz aus dem Gleichgewicht geraten, weil eine Rückverlagerung vom öffentlichen Verkehr auf die Strasse stattfindet.»

Der Anstieg der ÖV-Tarife war erwartet worden. Der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) hatte bereits im letzten November Preiserhöhungen von rund drei Prozent angekündigt. Hauptgrund sind die Trassenpreise, die der Bund per Ende 2016 weiter verteuert – die Bevölkerung stimmte dieser Erhöhung als Bestandteil der FABI-Vorlage (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur) im Februar 2014 an der Urne zu. Der VCS kann die Preiserhöhung deshalb nachvollziehen. Doch damit muss die Preisspirale ein Ende haben. Ansonsten verliert der öffentliche Verkehr seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Individualverkehr. VöV-Direktor Ueli Stückelberger: «Auch wir sehen das Problem, dass die Strasse immer günstiger und der ÖV teurer wird. Das bereitet uns Sorgen, und wir arbeiten daran, unsere Kundschaft mit guten Angeboten zu halten. Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass das Angebot im öffentlichen Verkehr kontinuierlich ausgebaut wird.» Ob die Preise nun für ein paar Jahre in Ruhe gelassen oder weiter erhöht werden, kann er nicht beantworten: «Das hängt von den politischen Rahmenbedingungen ab. Am Schluss müssen Aufwand und Ertrag für alle aufgehen, auch für die ÖV-Branche.»

Regionalverkehr in Gefahr

Weiteres Ungemach droht von der Strassenlobby. Würde die Milchkuh-Initiative am 5. Juni 2016 vom Stimmvolk angenommen (siehe auch unser Dossier ab Seite 14), erhöht sich der Druck auf die ÖV-Preise weiter. Mit Annahme dieser Initiative müssten im Regionalverkehr künftig jährlich mindestens 250 Millionen Franken eingespart werden, was neuerliche Preiserhöhungen zur Folge hätte. Gleichzeitig würden im Regionalverkehr Angebote wegfallen. «Der Spardruck in den Kantonen, die den Regionalverkehr mitbezahlen, ist schon heute in gewissen Gebieten ein grosses Problem», meint Stückelberger.

Der VCS erachtet den Preis für Mobilität grundsätzlich als zu tief. Im motorisierten Individualverkehr sind die variablen Kosten mittlerweile so niedrig, dass Anreize für hohen Konsum geschaffen werden. Die Klimaziele können ohne Wende hin zu ökologischeren Verkehrsmitteln nicht erfüllt werden. Deshalb läuft etwas schief, wenn die umweltfreundlichere Schiene teurer und das Autofahren immer billiger wird.

Stefanie, Stäuble, VCS

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